LR Steinkellner und SR Hein stellen das neue Mobilitätsleitbild für die Region Linz
vor
Linz (lk) - Im Rahmen einer Pressekonferenz im Landhaus in Linz präsentierten Landesrat Mag. Günther
Steinkellner und Stadtrat Dipl.-Ing. Markus Hein am 6. Juli das neue, gemeinsame Mobilitätsleitbild".
Der Großraum Linz wächst dynamisch. Entsprechend der städtischen Entwicklung steigt das Verkehrsaufkommen
kontinuierlich, was die vorhandene Straßeninfrastruktur an ihre Belastungsgrenze bringt. Mit dem abgestimmten
Mobilitätsleitbild ziehen Land Oberösterreich und Stadt erstmalig an einem Strang. Mit dem Ziel, die
infrastrukturelle Entwicklung auf Landes- und Stadtebene zu vereinen - um auch in Zukunft wettbewerbsfähig
zu sein. "In Sachen Verkehrsplanung kann und darf unser Betrachtungshorizont nicht an der Linzer Stadtgrenze
enden. Wenn wir die angespannte Verkehrssituation im Großraum Linz lösen wollen, muss jeder Schritt
genauestens zwischen Stadt, Umlandgemeinden und Land abgestimmt werden", eröffnete Landesrat Steinkellner
die heutige Pressekonferenz. "Der historisch erstmalige Ansatz erweitert den Betrachtungshorizont über
die Linzer Stadtgrenze hinaus und baut auf dem Fundament einer gemeinschaftlichen Strategie auf. Mit dem neuen
und gemeinschaftlichen Leitbild haben wir erstmals die Chance, durch optimale Vernetzung eine nachhaltige Verbesserung
in Gang zu setzen", erklärt der Stadtrat für Infrastruktur Markus Hein.
Gemeinsam für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung
Die verkehrspolitischen Leitlinien schaffen einen strategisch gemeinschaftlichen Überbau für die
Schwerpunktsetzungen der Infrastrukturprogramme von Land und Stadt. Diese gehen auf die einzelnen Maßnahmen
der jeweils zuständigen Ebene ein. Mit dem neuen und kooperativen Leitbild gibt es erstmals die Chance, eine
nachhaltige Verkehrsentwicklung, die zukünftigen Zielvorgaben eines modernen Modal Splits und die effizienten,
infrastrukturellen Verknüpfungen verkehrspolitischer Zielsetzungen gemeinsam umzusetzen.
In regelmäßigen Abständen von fünf bzw. zehn Jahren sollen Ausgangslage, Zielerreichung
und Maßnahmenumsetzung evaluiert werden, um bei Bedarf Ziele und Maßnahmen zu adaptieren.
Aus den Leitbildzielen können strategisch wichtige Handlungsschwerpunkte und Leitprojekte abgeleitet werden,
um mittel- bis langfristig (2030) folgende Wirkungsziele zu erreichen:
- Die Zahl der Wege, die mit dem öffentlichen Verkehr,
dem Rad, zu Fuß und im Mischverkehr (Park&Ride, Bike&Ride) zurückgelegt werden, sollen deutlich
mehr werden. Dafür muss der Marktanteil dieser Mobilitätsformen an allen Wegen steigen.
- Der Anteil der PKW-Wege an allen Wegen soll langfristig
(2030 bis 2040) von 57 % auf 47 % sinken. Dadurch könnte sich - trotz der erwarteten Zunahme der Einwohnerzahl
- die Zahl der PKW-Fahrten um ca. 5-10 % verringern.
- Besonders in den stadtgrenzenüberschreitenden Korridoren,
in denen das Angebot im öffentlichen Verkehr, bei Park&Ride und Bike&Ride stark ausgebaut werden soll,
ist eine Entlastung vom PKW-Verkehr anzustreben.
- Das Leitbild soll durch Beschluss der jeweiligen Gremien
in der Landesregierung bzw. im Gemeinderat der Stadt Linz im kommenden Herbst politisch manifestiert werden.
"Wir sehen die Entwicklung des neuen Mobilitätsleitbilds als einen gemeinsamen Arbeitsauftrag von
Land und Stadt. Aufbauend auf bereits existierenden Konzepten können wir erstmals Verkehrsentwicklung und
Standortqualität in Einklang bringen und optimieren", unterstreichen Landesrat Steinkellner und Stadtrat
Hein einstimmig die koordinierte Vorgehensweise.
Was wollen wir gemeinsam erreichen?
Wir wollen im Großraum Linz
- wahlfreie, flexible und sichere Mobilität ermöglichen,
- die Infrastruktur fit für den Wirtschaftsstandort machen
und sie effizienter nutzen,
- mit sauberer Mobilität für hohe Lebensqualität
und einen attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitstandort sorgen.
Wahlfreie, flexible und sichere Mobilität bedeutet, dass möglichst viele Bewohner/innen sich zwischen
mehreren Alternativen entscheiden können, wie sie ihre Wege zurücklegen. Autobesitzer/innen sollen ein
zumutbares ÖV-Angebot vorfinden, damit sie nicht ausschließlich auf das Auto angewiesen sind. Personen,
die keinen PKW zur Verfügung haben, sollen in ihren Mobilitätschancen möglichst wenig eingeschränkt
sein. Allerdings kann es eine uneingeschränkte Mobilität in einem lebenswerten urbanen Raum nicht geben.
Das Autofahren wird durch die begrenzten Kapazitäten der städtischen Straßenräume limitiert,
der Ausbau des öffentlichen Verkehrs stößt an Finanzierungsgrenzen und Radfahren und Gehen weisen
begrenzte Reichweiten auf. Das heißt, dass Staus, Lücken in der ÖV-Versorgung, begrenzte Reichweiten
mit dem Fahrrad und zu Fuß unvermeidliche Gegebenheiten moderner Städte sind. Wahlfreiheit meint daher
zuallererst eine Verringerung der Abhängigkeit vom Auto - denn eine weitere Erhöhung des Kfz-Verkehrs
würde die hohe Qualität unserer urbanen Lebensräume beeinträchtigen. Wahlfreiheit erfordert
daher auch die Entwicklung einer durchmischten Siedlungsstruktur, die eine flexible Nutzung vielfältiger Mobilitätsangebote
ermöglicht. Schließlich bedeutet Wahlfreiheit auch einen barrierefreien Zugang zum Mobilitätssystem.
Das betrifft vor allem die Benutzung des öffentlichen Raums und die Zugänglichkeit zum öffentlichen
Verkehrssystem.
Fitte und effiziente Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort steht für die überregionale Anbindung
im Transeuropäischen Verkehrsnetz (Autobahnen, Hochleistungsschienennetz, Wasserstraße Donau) und ausreichend
logistische Kapazitäten sowie hervorragende Qualitäten im Standortraum. Weiters bedeutet dies, Vorrang
für den städtischen und regionalen Wirtschaftsverkehr als wesentlichen Teil des nicht verlagerbaren notwendigen
Kfz-Verkehrs kombiniert mit einer möglichst effizienten Abwicklung. Ebenso ist eine bessere Nutzung von Verkehrsinfrastrukturkapazitäten
über den Tag vorgesehen.
Saubere Mobilität für hohe Lebensqualität adressiert die Verantwortung der Mobilitätsteilnehmer/innen
und der Mobilitätspolitik für die Gesundheit, für eine hohe urbane Wohn- und Freizeitqualität
und für die künftigen Generationen. Diese Ziele bergen Konflikte, erfordern Abwägungen und Aushandlungsprozesse.
Denn in Stadtregionen halten sich weder die Siedlungsentwicklung noch die Mobilitätsteilnehmer/innen an Gemeindegrenzen.
Eine im Sinne der Ziele erfolgreiche Politik kann somit nur partnerschaftlich erfolgen. Das Land Oberösterreich,
die Stadt Linz und die Gemeinden der Stadtregion bekennen sich daher zur Zusammenarbeit, zur Suche nach gemeinsamen
Lösungen und zu einer koordinierten, abgestimmten Umsetzung von Maßnahmen.
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Maßnahmen des Mobilitätsleitbildes
Radhauptrouten Großraum Linz
- Radhauptroute Puchenau (im Bau)
- Gesamtkosten: rd. 4,05 Mio. €
- Verkehrsfreigabe: August 2018
- Radhauptroute Steyregg (im Bau)
- Länge ca.1,1 km
- Kosten geschätzte 1,9 Mio. Euro (inkl. Mwst).
- Das letzte Teilstück mit ca. 130 m Länge soll,
um verlorenen Aufwand zu vermeiden, zeitgleich mit den Umbauarbeiten von Billa, also voraussichtlich im nächsten
Jahr, errichtet werden.
- Der Bauherr für die Errichtung ist die Stadtgemeinde
Steyregg.
- Die Baudurchführung erfolgt durch die Straßenmeisterei
Perg.
Ausbau des öffentlichen Verkehrs als Rückgrat der Mobilität
Ein Leitprojekt ist der Ausbau des bestehenden Schienennetzes zu einem stadtregionalen Netz, in dem einander
die Regionalbahn, S-Bahn und die Straßenbahn optimal ergänzen. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs
dient:
- der Reduktion der Stauproblematik im Straßennetz,
- dem Ausbau der Wahlmöglichkeiten für Personen,
die derzeit auf das Auto angewiesen sind,
- der Bewältigung der zunehmenden Mobilitätsnachfrage
durch Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum,
- der Reduktion der verkehrsbedingten Luftschadstoffemissionen.
Wichtige Infrastrukturmaßnahmen im Bahnnetz sind:
- Viergleisiger Ausbau der Westbahn zwischen Kleinmünchen
und Hauptbahnhof (Linzer Osteinfahrt)
- 4-gleisiger Ausbau der Westbahn Linz - Wels
- Einrichtung einer zweiten Schienenachse im Zuge der neuen
Donaubrücke im Osten von Linz und Nutzung für eine Verlängerung der Mühlkreisbahn bis zum Hauptbahnhof
- Neubau einer Schienentrasse nach Gallneukirchen / Pregarten
als Stadtregionalbahn
- Verlängerung der LILO nach Aschach
Mit dem Fahrplanwechsel am 17.12.2016 wurde die neue oberösterreichische S-Bahn eingeführt. Mit dem
Infrastrukturausbau sind neben den bisherigen fünf Linien zwei weitere Linien geplant: Die Mühlkreisbahn
als S 6 bis und die S 7 vom Hauptbahnhof nach Gallneukirchen/Pregarten. Diese Linien werden sich mit der Straßenbahn
ab dem Umsteigeknoten ‚Lindbauer' bis zum Europaplatz, die neue Schienenachse teilen. Die Ausbaumaßnahmen
der Infrastruktur soll auch eine weitere Intervallverdichtung ermöglichen.
- S1: Garsten - Linz S2: Wels - Linz
- S3: Pregarten - Linz S4: Kirchdorf - Linz S5: Eferding -
Linz
- (S6: Mühlkreisbahn: geplant)
- (S7: Pregarten/Gallneukirchen - Linz: geplant)
- Taktfahrplan mit Stundentakt zwischen 5:30 bis 22:30 Uhr
- Montag bis Sonntag
- Halbstundentakt in Spitzenzeiten, teilweise Viertelstundentakt
- Vertaktung mit den Schnellzügen am Hauptbahnhof
- Vertaktung mit Regionalbussen und den städtischen Straßenbahn-
und Busangeboten
- Intervallverdichtung auf Basis des Ausbaus der Schieneninfrastruktur
(z.B. Kapazitätserweiterung zwischen Kleinmünchen und Hauptbahnhof, viergleisiger Ausbau Linz-Wels)
- Mittelfristige Intervallverdichtung auf Basis des Ausbaus
der Schieneninfrastruktur (z. B. Linzer Osteinfahrt)
Erweiterung des Straßenbahnnetzes in Linz und in das Umland von Linz
- Zweite Straßenbahnachse durch Linz vom Bulgariplatz
nach Urfahr
- Verlängerung Straßenbahnlinie 4 von Traun nach
Ansfelden
- Verlängerung der Straßenbahnlinie 2 von der solarCity
bis Pichling/St.Florian
Mit der zweiten Schienenbahnachse werden sowohl überregionale, als auch innerstädtische Mobilitätsvorzüge
geschaffen. Besonders die entlang der zweiten Linzer Schienenachse liegenden, wichtigen Umstiegsknoten:
- Nahverkehrsknoten Urfahr Ost (Lindbauer)
- Frank Kontor (NSL Verbindung zur Westbahnstrecke um Hbf
zu entlasten)
- Bulgariplatz (Entlastungsknoten für den Hauptbahnhof)
Sie verknüpfen die innerstädtischen Wegrelationen optimal und erzielen Entlastungswirkungen für
den stark frequentierten Linzer Hauptbahnhof.
Schließlich ist ein Leitprojekt Busverkehr vorgesehen, das in Abstimmung mit dem öffentlichen Schienenverkehrsangebot
einerseits Zubringerfunktionen zu den Nahverkehrsknoten sichern, andererseits eine hohe Bedienungsqualität
von Räumen und Korridoren, die vom Schienenverkehr nicht bedient werden, garantieren soll.
Dazu zählen folgende Maßnahmen:
- ÖV-Beschleunigung und ÖV-Bevorrangung von Bussen
durch Bevorrangung an Lichtsignalanlagen und Busspuren
- Ausbau attraktiver Ost-West-Busachsen im Linzer Stadtgebiet
- Verbesserung der Bedienung in den Abendzeiten, Anpassung
an Geschäftsöffnungszeiten
- Bessere Abstimmung zwischen Regionalbussen und städtischen
Bussen (Tarif, Ticket)
- Internationaler Busterminal: als Standort ist der Bereich
Hauptbahnhof angedacht, weil ein direkter Umstieg zur Bahn gegeben ist. Eine endgültige Standortentscheidung
muss aber noch fachlich vorbereitet werden.
Ostumfahrung Linz
Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist ein wesentlicher Standortfaktor für den Wirtschaftsraum
Oberösterreich und trägt maßgeblich zur Stärkung der lokalen und regionalen Wettbewerbsfähigkeit
bei. Die Sicherstellung der entsprechenden räumlichen Rahmenbedingungen für die künftige Errichtung
von hochrangiger Verkehrsinfrastruktur zwischen dem Südböhmischen Raum und dem Oö. Zentralraum,
die auch zur Entlastung der Stadt Linz beiträgt, ist daher eine wesentliche Zielsetzung des Landes Oberösterreich.
Das Land Oberösterreich räumt daher der Umsetzung der Ostumfahrung Linz höchste Priorität ein.
Ihre wesentlichen Ziele sind:
- Verbindung der A1 Westautobahn und der A7 Mühlkreisautobahn
- Entlastung der A7 im Linzer Stadtgebiet vom Durchgangsverkehr
- Stärkung der Position des Oö. Zentralraumes im
internationalen Wettbewerb um Unternehmen und Arbeitsplätze
Im Rahmen von zehn Regionskonferenzen sind seit dem Jahr 2012 verschiedenste Alternativvarianten untersucht worden,
um die Vorzugsvariante zu ermitteln. Unter Einbeziehung aller betroffenen Gemeinden in der Region ist dabei eine
Bewertung aller Trassenmöglichkeiten in den Bereichen Verkehr und Technik, Raum und Umwelt sowie Kosten und
Wirtschaftlichkeit durchgeführt. Die Flächensicherung für eine Ostumfahrung von Linz erfolgt durch
ein Raumordnungsprogramm, welches von der Oö. Landesregierung erlassen wird. Im Vorfeld dieser Flächensicherung
ist die Durchführung einer Strategischen Umweltprüfung erforderlich, welche derzeit durchgeführt
wird.
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