Maßnahmen gegen die Hitze und ihre Ursachen
Innsrbuck (ikm) - Die Folgen der Klimakrise werden momentan mit Überschwemmungen, Vermurungen und mit
kaum kontrollierbaren Waldbränden in ganz Europa spürbar – und Innsbruck bricht einen Temperaturrekord
nach dem anderen. Was für manche Sonnenhungrige eine Freude ist, sieht Unweltstadträtin Mag.a Uschi Schwarzl
als „deutliches Alarmsignal“ und erläutert: „Wir müssen in Innsbruck die Folgen der Hitze bekämpfen
und die Stadt abkühlen. Das geht mit Begrünungen von Fassaden, mit der Rückgewinnung von Straßenraum
für die Natur und mit Vorrang für Grünflächen vor Parkplätzen.“ Der Temperaturunterschied
zwischen begrünten und nicht begrünten Straßenzügen sei an heißen Sommertagen zweistellig,
bei einer Lufttemperatur von 25 Grad Celsius hat es am Beton 36 Grad Celsius und am Asphalt 43 Grad Celsius, während
Grünflächen eine kühlende Wirkung haben.
Die Hitze ist besonders für Kinder und alte Menschen eine gesundheitliche Gefahr. Laut Verkehrsclub Österreich
(VCÖ) steige die Mortalität pro 1 Grad Celsius Temperaturanstieg um bis zu 6 Prozent. „Die Baumstatistik
hat Vorrang vor der Parkplatzstatistik, weil jeder Baum eine kühle Insel in der Stadt ist“, führt die
Umweltstadträtin aus. Sie hat eine ExpertInnengruppe einberufen, die bis Herbst erste Vorschläge für
konkrete Fassadenbegrünungen erarbeiten soll, „denn das sieht nicht nur schön aus, sondern vor allem
kühlt es haus- und straßenseitig.“ Die Kosten für die Beibehaltung des Innsbrucker Temperaturniveaus
hat das international renommierte Panel von Climate Change Centre Austria (CCCA) im Jahr 2014 mit Investitionen
in Grünflächen in der Höhe von 100 Millionen Euro bis zum Jahr 2050 prognostiziert.
Maßnahmen gegen die Klimakrise
Neben Maßnahmen für mehr kühle Inseln in der heißen Stadt müssen aber auch die Ursachen
bekämpft werden. Dabei spielt der Schadstoffausstoß eine dramatische Rolle: Der Verkehr ist laut dem
kürzlich veröffentlichten Klimaschutzbericht 2018 des Umweltbundesamts mit 29 Prozent der Treibhausgasemissionen,
davon wieder mit 62 Prozent mehr als die Hälfte aus dem Individualverkehr, noch vor der Industrie der größte
Verursacher von Treibhausgasen in Österreich.
„Wir haben ein Zeitfenster von wenigen Jahren, um die Klimakrise zu stoppen und wir haben für Maßnahmen
keine Zeit zu verlieren“, weiß Uschi Schwarzl und will bei der Stärkung des Umweltverbundes aus Öffis,
Fahrrad und zu Fuß gehen ansetzen. Sie setzt auch auf eine deutliche Tempo- und Schadstoffreduktion im Rahmen
von „Sicher 30“, das im Oktober auf der Tagesordnung des Gemeinderats steht. „Jeder Euro, den wir in Radwege und
in den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs investieren, ist ein gut investierter Euro im Kampf gegen
die Klimakrise“, so die Stadträtin. Weniger als 50 Prozent der bei der Verbrennung von Treibstoff gewonnenen
Energie gehe in die Motorleistung, der Rest sei unter anderem Abwärme – Autos heizen also auch im unmittelbaren
Sinn die Stadt weiter auf. Stadträtin Uschi Schwarzl kündigt deshalb eine klare Priorisierung an: Grünfläche
vor Beton – das beinhalte auch, Straßenraum zurückzubauen.
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