König Philippe eröffnet am Abend gemeinsam mit Alexander Van der Bellen im Kunsthistorischen
Museum die große Bruegel-Ausstellung
Brüssel/Wien (apa/prk) - Riesige Fahnen Belgiens und Österreichs wehten, die Gardekompanie des
Bundesheeres hatte im Inneren Burghof in Wien Aufstellung genommen. Hunderte Schaulustige warteten geduldig auf
das belgische Königspaar, das an diesem kühlen, sonnigen Montag jede Minute in der Hofburg eintreffen
konnte. Selfie-Sticks wurden gehoben, Kinder kletterten auf Laternenmasten.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer nutzen die Wartezeit dazu, um einige
der Umstehenden zu begrüßen. Ein kleiner weißer Hund, der am Arm seines Frauerls sitzt, hat es
dem Bundespräsidenten diesmal besonders angetan.
König Philippe und seine Frau Mathilde liessen etwas auf sich warten - ihr Flugzeug war verspätet gelandet.
Doch letztlich traf ihr Auto, das als Kennzeichen bloß die belgischen Nationalfarben trug, in Begleitung
zahlreicher Polizeimotorräder im Burghof ein. Begrüßung durch das Präsidentenpaar, Hymnen
beider Länder, Abschreiten der Ehrenkompanie. Mit ihren hohen Stöckelschuhen, dem dunkelgrünen Kleid
und einem ungewöhnlichen Kopfschmuck ragte Königin Mathilde aus der Gesellschaft heraus.
Nach dem formellen Teil folgte ein Gespräch der beiden Paare im Büro des Bundespräsidenten, Kaffee
und Patisserien wurden gereicht. Auf dem Tisch lag bereits der Katalog der Ausstellung, um die sich bei diesem
Besuch alles drehte.
Die Ausstellung, die nach Angaben des KHM die größte jemals dagewesene über das Werk des berühmten
Malers und Grafikers sein soll, findet aus Anlass von Bruegels 450. Todestag im kommenden Jahr statt. Für
die Schau, die aufgrund ihrer Fülle an Schaustücken unter dem Motto "Once in a lifetime" steht,
hat man mit 26 Partnern zusammengearbeitet, darunter mit den Königlichen Museen der Schöne Künste
in Brüssel, die die zweitgrößte Bruegel-Sammlung beherbergen. Der Besuch des Königspaares
unterstreicht die Bedeutung dieses großen flämischen Künstlers für Belgien.
Für Philippe und Mathilde war es ihr erster offizieller Besuch in Österreich seit ihrer Thronbesteigung
2013. Damals hatte Philippes Vater Albert II. abgedankt und das Amt des "Königs der Belgier" an
seinen Sohn übergeben. Der frühere Monarch hatte Österreich in seiner Amtszeit (1993-2013) zweimal
besucht: Einmal zu einem Staatsbesuch 1997, einmal zu einer Kurzvisite 2006 anlässlich seiner Rede vor der
in Wien ansässigen Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Freilich sind König Philippe und Bundespräsident Van der Bellen füreinander keine Unbekannten. Die
beiden hatten einander sogar erst vor drei Wochen in der Schweiz getroffen: Anlass war das jährliche Treffen
der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder in Sils Maria in Graubünden. Belgien hat neben
der flämischen und der wallonischen auch eine kleine deutschsprachige Gemeinschaft.
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Der belgische König Philippe hat dann am Abend die große Bruegel-Ausstellung des Kunsthistorischen
Museums Wien eröffnet. Zuvor hatten er und seine Gemahlin Mathilde sich bei der Führung durch KHM-Generaldirektorin
Sabine Haag ungewöhnlich viel Zeit genommen. Kein Wunder, handelt es sich doch laut Museum um eine "One
in a lifetime"-Schau, eine noch nie dagewesene Gelegenheit.
Haag nannte die Eröffnung denn auch "eine Sternstunde in der Ausstellungsgeschichte unseres Hauses".
Diese erste monografische Präsentation von Pieter Bruegel dem Älteren (um 1525/1530-1569) sei "ein
ambitioniertes Projekt der Superlative", das so nur in Wien zu realisieren gewesen sei, wo mit 12 gesicherten
Gemälden des flämischen Meisters beinahe ein Drittel seiner erhaltenen Bilder aufbewahrt werde. Eine
"wahrhaft sensationelle Anzahl von Leihgaben" sowie ein enger Forschungsaustausch mache die Ausstellung
zu einem "wahrhaft europäischen Ausstellungsprojekt". Und Sabine Pénot versicherte namens
des Kuratorenteams: "Es war wahrhaftig jede Mühe wert!"
Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen rühmte die enge Zusammenarbeit von vielen internationalen
Institutionen. "Es wäre wunderbar, wenn Kooperationen in anderen Bereichen so erfolgreich wären
wie bei Kunst und Kultur." Er versuchte sich in mehreren verschiedenen Aussprachen des Künstlernamens
und versicherte, eine Stunde sei bei weitem nicht genug für den Besuch der Ausstellung: "Wir sind nicht
nur beeindruckt, wir sind fasziniert. Wir kommen wieder!"
"Belgier fühlen sich in diesem wunderbaren Museum wie zu Hause", meinte König Philippe. Schließlich
treffe man in der Gemäldegalerie auf Schritt und Tritt auf Werke, die in seiner Heimat entstanden seien. Die
wunderbare Ausstellung bringe nicht nur zwei Länder, die eine vielfältige gemeinsame Geschichte hätten,
erneut nahe zusammen und gebe tiefen Einblick in das Leben der Vergangenheit, sondern zeige auch, wie sehr Kunst
und Kultur das Verständnis für einander förderten. Herzlich lud der belgische König die Anwesenden
ein, das Bruegel-Jahr 2019 in Belgien zu besuchen.
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