Paris/Eisenstadt (martinus) - Mit Bestürzung reagiert Eisenstadts Bischof Ägidius J. Zsifkovics auf
den verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Der in der Österreichischen Bischofskonferenz
für Europa zuständige Bischof drückte im Live-Interview mit ORF Radio Burgenland sowie im Gespräch
mit dem Medienbüro der Diözese Eisenstadt den Menschen in Paris und der ganzen französischen Nation
sein Mitgefühl aus, appelliert aber auch an Europa, die nun gezeigte internationale Solidarität bewusst
wahrzunehmen und intensiv in den Wiederaufbau der Kathedrale aber auch des Hauses Europa zu investieren.
Tragödie für Frankreich und Europa
"Ich kann mich nur voll und ganz dem anschließen, was in diesen schweren Stunden von vielen Persönlichkeiten
in ganz Europa und weltweit zum Ausdruck gebracht wurde: dass es sich um eine nationale Tragödie und um eine
Tragödie für ganz Europa handelt. Mit Notre-Dame brennt auch ein wichtiger Teil unserer europäischen
Kultur und Identität - über alle Grenzen von Politik und Konfession hinweg", so Zsifkovics.
In den Flammen ein "Keim der Hoffnung"
Allerdings sieht der Bischof, der erst vor zwei Jahren im Zuge einer Sitzung der EU-Bischöfe in Paris die
Kathedrale besucht hatte, "selbst in diesem tragischen Ereignis einen starken Keim der Hoffnung. Wir sehen,
wie groß in Europa der Zusammenhalt und die Solidarität gerade dann sind, wenn es ans Eingemachte geht."
Er könne sich nicht erinnern, in den vergangenen Jahren "so eine Einstimmigkeit und so ein Mitgefühl
erlebt zu haben, wenn es um große europäische Themen der Politik ging. Jetzt aber sehen wir, dass da
doch so etwas wie eine gemeinsame Seele Europas ist. Und das muss uns alle zuversichtlich stimmen - bei aller Trauer
über die ungeheuren Schäden des Brandes. Denn mit dieser Einigkeit, die jetzt plötzlich aufgeblitzt
ist, können wir auch die großen Themen unseres Kontinents angehen. Es gibt also doch noch mehr als eine
Schrebergartenmentalität in diesem vereinten Europa!", so Zsifkovics wörtlich.
Appell an Europa: Wiederaufbau von Notre-Dame soll "Weiterbauen am Haus Europa" sein
Man dürfe nicht vergessen, dass Notre-Dame ein Projekt sei, an dem über Jahrhunderte gebaut und ständig
erneuert und geflickt wurde. Zsifkovics: "So tragisch es auch ist: Der wundervolle Spitzturm von Le-Duc, der
gestern Abend vollständig den Flammen zum Opfer gefallen ist, stammt erst aus dem 19. Jahrhundert. Dies und
manches andere, was jetzt zerstört wurde, kann und muss auch wieder aufgebaut werden - so wie wir auch an
diesem Europa ständig weiterbauen müssen." Offensichtlich sei die "Bereitschaft zu bauen, zu
reparieren in diesem Europa immer dann am stärksten, wenn buchstäblich ‚Feuer am Dach‘" sei. Zsifkovics
wörtlich: "Ich bin überzeugt, dass sich an Notre-Dame wieder einmal erweisen wird, dass Europa wie
ein Phönix aus der Asche steigen kann!"
Mitgefühl mit Frankreich, aber auch Appell, die "christliche DNA nicht zu verdrängen"
Zsifkovics’ Mitgefühl gelte der Stadt Paris, ihren Menschen, und dem französischen Volk, "dessen
kultureller und vor allem auch spiritueller Nerv getroffen wurde." Gleichzeitig appelliert er an Präsident
Macron und die politischen Eliten in Europa: "Bauen wir mit dieser Kathedrale Notre-Dame auch unser europäisches
Gemeinwesen weiter auf. Erneuern wir, was beschädigt wurde, decken wir das Dach dieser Kathedrale, aber auch
unseres Hauses Europa neu und erinnern wir uns an den unendlichen Wert von Gemeinschaft und Nächstenliebe.
Und das muss letztlich heißen: Verdrängen wir nicht die christliche DNA unseres Kontinents, für
die Notre-Dame in erster Linie steht, und die unser Europa zu dem Europa gemacht hat, in dem wir heute leben dürfen!"
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