Kanzler Schüssel: »Europa braucht Christen, die politisch tätig sind«  

erstellt am
28. 05. 03

Beim Internationalen Evangelisationskongress im Wiener Stephansdom sprach der österreichische Bundeskanzler über Christentum und politisches Handeln.
Wien (kath.net / PEW) - Die Bedeutung Papst Johannes Pauls II. für ein neues geeintes Europa würdigte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Dienstag (27. 05.) beim Internationalen Evangelisationskongress in Wien. Ohne Papst Johannes Paul II. gebe es noch den Eisernen Vorhang statt dem Beitritt zahlreicher ehemals kommunistischer Länder zur EU im nächsten Jahr, so der Kanzler. Schüssel betonte zugleich, auch der Balkan müsse in die europäische Perspektive miteinbezogen werden: "Darüber hinaus braucht es aber auch das Engagement für den Mittelmeerraum und überhaupt für Afrika, für das sich außer Europa niemand zuständig fühlt".
Die Christen hätten nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich am politischen Leben zu beteiligen, so der Bundeskanzler: "Europa braucht Christen, die politisch tätig sind". Die Christen hätten den Blick auf eine über das Irdische hinausweisende Dimensionen, "und diesen Blick braucht unsere Gesellschaft mehr denn je". Konkret nannte Schüssel die Bedrohungen durch Abtreibung, Biotechnik und Sterbehilfe, wo ein Hinschauen und Einmischen der Christen notwendig sei. Das Christentum habe Europa in seinen Grundwerten und in seiner politischen Orientierung nachhaltig geprägt, und andererseits sei das Christsein selbst das eigentliche Fundament der Lebenswerte.

Schüssel erinnerte an das Urchristentum, "das eine unglaublich solidarische Gemeinschaft, ein soziales, kulturelles und geistigesNetzwerk über den ganzen Mittelmeerraum hinweg war". Heute wisse man hingegen in diesem Raum sehr wenig voneinander. Er wünsche sich, so Schüssel, dass die Seele Europas noch viel stärker von diesem Geist des Mittelmeers durchdrungen werde. Es brauche den Blick auf die ganze Welt, eine Blick, den heute nur mehr der Vatikan besitze. Schüssel: "Die globale Weltkirche muss noch viel stärker als bisher ins Bewusstsein rücken und muss auch in der Kirche von Wien noch viel stärker gelebt werden".

Als entscheidende Frage gerade für Christen nannte der Bundeskanzler die Frage der Gerechtigkeit und der gerechten nachhaltigen Wohlstandsverteilung. Alles, was man heute an "wohlerworbenen Rechten" schützen zu müssen glaube, würden spätere Generationen bezahlen, so Schüssel: "Die Älteren sind heute viel besser organisiert, sie haben eine Stimme. Die Jungen hingegen haben das nicht. Die Kinder haben nicht einmal über ihre Eltern ein Stimmrecht". Hier sollte man nachdenken, ob es nicht Ideen gäbe, dies zu ändern.
     
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