Verdienste des EU-Konvents stehen jedoch außer Frage
Straßburg (evp-pd) - "Die Verdienste des EU-Konvents stehen außer Frage. Er hat
eine gute Grundlage für eine europäische Verfassung und damit für die Arbeit der Regierungskonferenz
geschaffen. Trotz aller unbestreitbaren Erfolge hat der Konvents aber natürlich ein Kompromissergebnis geliefert.
Auch am Ende der Regierungskonferenz wird ein Kompromiss stehen", sagte die ÖVP-Delegationsleiterin Ursula
Stenzel am Dienstag (01. 07.) in der Plenardebatte des Europäischen Parlaments
über das Ergebnis des Europäischen Rates von Thessaloniki.
Der Konvent habe durch die Verankerung der Grundrechtscharta in den Verfassungsentwurf mehr Bürgernähe
geschaffen. Er hat die EU mit einer Rechtspersönlichkeit ausgestattet, eine Klärung der Kompetenzen herbeigeführt
und vor allem auch eine Stärkung des Europäischen Parlaments wie auch des Kommissionspräsidenten
erzielt. "Die Schwachstellen des Konvents dürfen aber auch nicht übersehen werden. Es wurde zwar
das Gröbste verhindert, es bleibt aber doch vorerst bei einer Doppelpräsidentschaft in der EU. Auch wenn
ein Ratspräsident keine legistische Kompetenz hat, wird er die EU doch nach Außen vertreten. Es wird
an seiner Persönlichkeit liegen, was er aus diesem Amt macht. Das kann zu Konflikten innerhalb der EU mit
dem Kommissionspräsidenten führen", warnte Stenzel.
Positiv hob die ÖVP-Delegationsleiterin hervor, dass auf dem mühsamen Weg zu einer gemeinsamen Außen-
und Sicherheitspolitik der EU ein EU-Außenminister geschaffen wurde, der die bisherigen Agenden des Hohen
Vertreters und des Außenkommissars vereinen soll. "Das ist zweifellos ein Fortschritt. Die Schaffung
einer Funktion bedeutet aber noch nicht die Schaffung einer gemeinsamen Politik. Der kommende Außenminister
trägt die Schizophrenie der Europäischen Union in sich", so Stenzel.
Als echten Konstruktionsfehler bezeichnete Stenzel die Unterteilung der Kommissare in solche mit und solche ohne
Stimmrecht. "Das ist vor allem angesichts des Charakters der Kommission als Kollektivorgan falsch. Ich kann
verstehen, dass sich manche angesichts einer EU von 25 Mitgliedern nach den Zeiten der Sechser-Gemeinschaft zurücksehnen.
Die artifizielle Verkleinerung der EU in ein Kerneuropa und den Rest untergräbt den Zusammenhalt. Sie untergräbt
auch das Vertrauen der Bürger in die europäischen Institutionen. Solche eindeutigen Schwachstellen sollten
jedenfalls noch korrigiert werden", forderte Stenzel abschließend. |