Konjunktur im Euro-Gebiet nimmt Fahrt auf  

erstellt am
16. 12. 03

Brüssel (eu.int) - Gesicherte Daten und Umfrageindikatoren der letzten Zeit bestätigen, dass der Aufschwung im Euro-Gebiet Tritt gefasst hat. Das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal war kräftiger als erwartet, das Unternehmervertrauen hat seinen Stand von Mitte 2001 wieder erreicht, und das Verbrauchervertrauen scheint sich zu verbessern. Die Konjunkturerholung im Euro-Gebiet wurde bislang vor allem von den Exporten getragen. Trotz der Euro-Aufwertung wird die Auslandsnachfrage auch weiterhin durch einen gleichzeitigen Aufschwung in allen wichtigen Wirtschaftsregionen gestützt werden. Die inländischen Bedingungen werden günstiger und dürften dazu beitragen, dass die Inlandsnachfrage an Schwung gewinnen kann. Eine weitere Beschleunigung des Wachstums im ersten Quartal 2004 ist wahrscheinlich.

In dem Bericht werden Zusammenhänge zwischen den Konjunkturzyklen des Euro-Gebiets und der USA untersucht. In den letzten Jahren waren die Konjunkturschwankungen der beiden Regionen enger miteinander verbunden als früher. Dies liegt zum Teil an den engeren Handels- und Finanzbeziehungen, aber auch daran, dass die beiden Wirtschaftsräume von gemeinsamen Schocks getroffen wurden. Die drastische Beschleunigung der US-Konjunktur ist ein positives Signal für das Euro-Gebiet, sollte in ihrer Wirkung jedoch nicht überschätzt werden. Die Erholung im Euro-Gebiet hängt auch davon ab, wie rasch frühere Schocks verarbeitet werden. Außerdem deutet die Analyse darauf hin, dass Phasen einer signifikanten zyklischen Abkopplung zwischen dem Euro-Gebiet und den USA auch in Zukunft noch möglich sind.

Der Bericht befasst sich auch mit den Ursachen des langsamen Produktivitätswachstums im Euro-Gebiet. Im Gegensatz zu den USA verzeichnete das Euro-Gebiet insgesamt in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre einen stetigen Rückgang der Arbeitsproduktivität, auch wenn mehrere Mitgliedstaaten des Euro-Gebiets die USA bei der Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde überflügelt haben. Ein Teil des Produktivitätsrückgangs seit Mitte der 90er Jahre ist darauf zurückzuführen, dass Arbeit in geringerem Maße durch Kapital ersetzt wurde. Dieser Effekt spiegelt sich in der hohen Beschäftigungsintensität des Wachstums der letzten Jahre wider. Die Nutzung und Produktion von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wirkte in letzter Zeit als Antriebskraft des Produktivitätswachstums im Euro-Gebiet, jedoch erheblich weniger als in den USA. Die IKT ist für einen Teil der Divergenz zwischen dem EU- und dem US-Produktivitätswachstum verantwortlich, erklärt jedoch nicht die Abschwächung des Produktivitätswachstums im Euro-Gebiet. Hier spielt vielmehr die Kombination aus einem Abwärtstrend bei den Nicht-IKT-Investitionsquoten und einer beunruhigenden Verlangsamung des technischen Fortschritts eine Rolle.

Um den Rückgang des Produktivitätswachstums umzukehren sind auch im Einklang mit der Lissabon-Agenda Maßnahmen vonnöten, die auf die Beseitigung übermäßiger Regulierung, auf die Struktur der Finanzmärkte, den Grad der Produktmarktintegration und den Umfang der Wissensinvestitionen abzielen.

Der nächste Quartalsbericht soll im März 2004 veröffentlicht werden.
 
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