|
Thema Nationalratswahl – 24. Oktober 2002
|
Außenpolitik |
Ferrero-Waldner: Acht-Punkte-Programm für die kommenden vier Jahre
Wer sich politischen Verhandlungslösungen widersetzt, überlässt Extremisten
das Feld
Wien (övp-pd) - Ihr Acht-Punkte-Programm für eine Außenpolitik für alle Österreicher
in den kommenden vier Jahren skizzierte Außenministerin Dr. Benita Ferrero-Waldner am Mittwoch (23. 10.)
bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ÖVP-Bundesparteiobmann Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel
in Wien.
Als ersten Punkt des Programms nannte Ferrero-Waldner die EU-Erweiterung. "Die EU-Erweiterung war schon bisher
mein Schwerpunkt - und dass sie zu einem Erfolg für Österreich wird, wird auch mein Schwerpunkt in den
kommenden vier Jahren sein, so Ferrero-Waldner. "Ich werde mich in den nächsten vier Jahren dafür
einsetzen, dass wir die Erweiterung der EU zunächst ratifizieren und dann für Österreich bestmöglich
umsetzen."
"Ich werde mich weiterhin für die von mir ins Leben gerufene und von den Partnerländern begrüßte
enge Zusammenarbeit in der Regionalen Partnerschaft und die Abstimmung und gemeinsame Vertretung der Interessen
unserer Region in Brüssel einsetzen. Diese Zusammenarbeit wird für Österreich und für Europa
reiche Früchte tragen. Ich trete innerhalb der EU für die Rechte der kleineren und mittleren Mitgliedstaaten
in der EU ein, damit die Großen nicht einfach über unsere Interessen "drüberfahren" können,
wie sie das im Jahr 2000 probiert und - im Gegensatz zu manchen österreichischen Politikern - als schweren
Fehler erkannt haben", sagte die Außenministerin.
Zweitens werde sich Ferrero-Waldner in den kommenden vier Jahren dafür einsetzten, dass die EU auch in den
an Europa angrenzenden Regionen eine stärker gestaltende Rolle spiele: "Nach der EU-Erweiterung liegt
eine weitere große Chance ebenfalls unmittelbar vor unserer Haustüre, nämlich die Beziehungen zu
Südosteuropa. Ich werde mich dafür einsetzen, dass unsere Wirtschaft in Südosteuropa weiterhin gute
Bedingungen vorfindet und wichtige Absatzmärkte sichern kann. Stabilität in Südosteuropa und die
Verhinderung neuer Gefahren, die sich in der Region ergeben könnten, wie Migration, Drogenhandel, etc. werden
wir am besten überwinden, wenn wir den südosteuropäischen Ländern weiterhin eine deutliche
europäische Perspektive bieten und über die Bedingungen die nach Europa führen keine Unklarheit
lassen", so Ferrero-Waldner.
"Im Interesse der Sicherheit unserer Bürger und Bürgerinnen können wir im Umfeld der EU keine
Unruheherde und keine Armenhäuser brauchen. Daher müssen wir meinen Kurs fortsetzen, uns in der Partnerschaft
der EU mit den Mittelmeeranrainerstaaten, mit denen Freihandels- und Assoziationsabkommen abgeschlossen und ein
politischer Dialog geführt wird, zu engagieren. Von dieser Region würden ansonsten die Flüchtlingswellen
der Zukunft kommen", sagte die Außenministerin.
Drittens werde sie sich auch auf der internationalen Ebene in den nächsten vier Jahren weiterhin mit voller
Kraft dafür einsetzen, dass sich Österreich in die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der
EU voll einbringt und seinen Teil dazu beiträgt, dass die EU in der Welt mit einer Stimme spricht. "Die
EU muss in den neuen Kräftefeldern der großen Mächte der Welt ihren Platz behaupten, eine stabilisierende
Rolle spielen und vor allem endlich die politische Bedeutung erlangen, die ihrer Wirtschaftskraft entspricht",
so Ferrero-Waldner.
Viertens werde die Außenministerin in den kommenden vier Jahren dafür eintreten, dass die Vereinten
Nationen in den vitalen Lebensfragen mehr Gewicht erhalten und dass Österreich als 3. Sitzstaat der Vereinten
Nationen noch mehr Bedeutung erhält uns weiter ausgebaut wird. "Ich werde in den kommenden vier Jahren
dafür eintreten, dass die Vereinten Nationen ihre Aufgaben bei der Bewahrung oder Wiederherstellung von Frieden,
Freiheit, sozialem Ausgleich und ökologischem Gleichgewicht noch besser erfüllen können".
Die Außenministerin wird die österreichische Stimme in der EU, in der UNO und anderen internationalen
Gremien, wie sie dies mit Nachdruck schon bisher getan hat, einbringen, um zu gerechten und akzeptablen politischen
Lösungen der gefährlichen Regionalkonflikte beizutragen, die den Nährboden für Unzufriedenheit,
Ausweglosigkeit und Terrorismus darstellen. Menschenverachtende Terroranschläge und gewaltsame Gegenreaktionen
stellen keine Lösung dar. "Wer den Weg der Mitte verlässt, wer sich politischen Verhandlungslösungen
widersetzt, der überlässt den Extremisten das Feld", sagte Ferrero-Waldner.
Fünftens bezeichnete Ferrero-Waldner die Menschenrechte als ein universales, ein zugleich politisches, rechtliches
und moralisches Prinzip, an dem sich unser Handeln orientieren muss. In der Universalität der Menschenrechte
gründet unsere Überzeugung, dass dem Einsatz für die Achtung der Menschenrechte nicht mit dem Hinweis
auf das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheit entgegengetreten werden kann. Menschenrechtspolitik
ist wichtiger Bestandteil einer aktiven Friedens- und Sicherheitspolitik. Damit einher geht die Förderung
von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit weltweit. "Ich werde in den kommenden vier Jahren für eine überzeugende
Menschenrechtspolitik eintreten, weil ich das für ein präventives Vorgehen gegen den Terrorismus und
für den Frieden in der Welt erforderlich halte", so die Außenministerin.
Als sechsten Punkt nannte Ferrero-Waldner die transatlantischen Beziehungen. "Ich werde mich in den kommenden
vier Jahren dafür einsetzten, dass die Voraussetzungen dafür geschaffen werde, dass die transatlantische
Partnerschaft in Zukunft wieder auf einem politisch und wirtschaftlich starken Fundament steht und Europa für
die Vereinigten Staaten wieder Partner auf Augenhöhe sind. Ich trete auch dafür ein, dass wir die Realitäten
zur Kenntnis nehmen müssen. Dazu gehört - auf beiden Seiten des Atlantik muss dies klarer werden - dass
wir für die Stabilität in einer unsicheren Weltlage als Europäer die USA brauchen und auch trotz
ihrer Übermacht die USA ohne Europa nicht auskommen. Ich bin für Partnerschaft und Zusammenarbeit".
Siebentens nannte Ferrero-Waldner die Entwicklungspolitik. "Ich werde auch in den kommenden vier Jahren klar
machen, dass der Entwicklungspolitik eine zentrale Rolle dabei zukommt, langfristig und nachhaltig unsere Partnerländer
beim Aufbau demokratischer, rechtsstaatlicher und marktwirtschaftlicher Strukturen sowie tragfähiger Bildungs-,
Gesundheits- und Infrastruktursysteme zu unterstützen. Nur wenn die Entwicklungspolitik dazu beiträgt,
Armut, Unwissenheit und Perspektivlosigkeit zu überwinden, kann dem Terrorismus der Nährboden entzogen
werden. Ich werde mich auch für innovative Methoden einsetzen, die Mittel, die für die Entwicklungszusammenarbeit
zur Verfügung stehen, zu vermehren. Dazu gehören außerbudgetäre Maßnahmen, wie die Einführung
einer Tobin Tax - einer kleinen Abgabe auf internationale Finanzspekulationen, um deren Gefährlichkeit für
schwächere Volkswirtschaften zu lindern und gleichzeitig zusätzliche Mittel für die EZA zu bekommen
- ebenso wie die Steuerbegünstigung für private und betriebliche Spenden, für die ich seit langem
eintrete".
Als achten Punkt strich Ferrero-Waldner die Kulturpolitik heraus. "Das Bild Österreichs in der Welt wird
von der Kultur geprägt. Eine aktive Auslandskulturpolitik hat daher als dritte Säule der Außenpolitik
die Aufgabe, die vielen Facetten des österreichischen kulturellen Erbes, vor allem aber die aktuellen kulturellen
und künstlerischen Entwicklungen in Österreich zu vermitteln. Ich stehe in den nächsten vier Jahren
für eine Auslandskulturpolitik, die in enger Koordination mit anderen außenpolitischen und kulturpolitischen
Initiativen die kulturelle Basis der europäischen Einigung stärkt, Serviceleistungen für die österreichischen
Kulturschaffenden und ihre internationalen Partner erbringt, den Standortvorteil Kultur - einen "Unique Selling
Point" Österreichs - auch in der Außenpolitik nutzt", schloss Ferrero-Waldner.
|
|
|
|
Bures: Ferrero-Waldner war charmant, aber heillos überfordert
Österreich hat in den letzten Jahren sehr viel von seinem internationalen Ansehen
als verlässliches Mitglied der Staatengemeinschaft eingebüßt
Wien (sk) - "Wolfgang Schüssel wird in den nächsten Wochen offensichtlich seinen enormen
Ehrgeiz einsetzen, um den Wählern sein Team ohne Zukunft anzupreisen", stellte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin
Doris Bures am Mittwoch fest (23. 10.). Schüssels altes Team habe seine Chancen
jedoch bereits gehabt.
Außenministerin Ferrero-Waldner, "die Schüssel heute als Zukunftsmodell verkaufen wollte",
habe zwar ein freundliches Lächeln und charmantes Auftreten, fachlich sei sie im Außenressort jedoch
weit überfordert, sagte Bures gegenüber dem Pressedienst der SPÖ. Die Außenpolitik der vergangenen
zweieinhalb Jahre habe Österreichs Ansehen nicht gerade verbessert und sei von peinlichen Pannen gekennzeichnet
gewesen. Für Österreich wäre es darum gut, "wenn jetzt ein erfahrener und international angesehener
Diplomat wie Wolfgang Petritsch die außenpolitischen Agenden übernehmen würde", so Bures.
Insgesamt sei die österreichische Außenpolitik der vergangenen zweieinhalb Jahre durch schwere Fehler
von Außenministerin Ferrero-Waldner gekennzeichnet gewesen. Österreichs internationale Reputation sei
beschädigt, das Verhältnis zu vielen Regierungen und wichtigen internationalen Institutionen, wie der
UNO, gestört worden. Bures erinnerte etwa an die Drohgebärden gegenüber UNO-Generalsekretär
Kofi Annan, weil die UNO Licht in den überhasteten Abtransport eines österreichischen UNO-Polizisten
unter Folter-Verdacht bringen wollte.
Aufgefallen sei Ferrero-Waldner auch durch ihre eigenartige Reisediplomatie. Sie habe sich einen kuriosen Wettlauf
mit dem Bundespräsidenten geliefert und ihr Profilierungsbedürfnis und ihre offene Gegnerschaft zum Bundespräsidenten
eindeutig über die Anforderungen einer sachlichen, nachvollziehbaren und vertrauensbildenden Außenpolitik
gestellt, erinnert Bures.
"Ob der deutsche Bundeskanzler, der französische oder der US-Präsident, die belgische oder slowenische
Regierung - der Kärntner Landeshauptmann hat sie alle unflätig beschimpft und beleidigt. Die österreichische
Außenministerin verzichtete jedoch auf eine klare Verurteilung dieser Ausfälle und meinte wohl, ihr
Lächeln allein reiche aus, um den entstandenen Schaden zu kitten. Fazit: Das Verhältnis Österreichs
zu sehr vielen anderen Staaten ist heute schwer belastet", so Bures weiter.
Äußerst unprofessionell sei das Vorgehen der Außenministerin auch im Zusammenhang mit der Irak-Reise
des Kärntner Landeshauptmanns gewesen. Obwohl das österreichische Außenamt über Haiders Reise
informiert war, habe sich Ferrero ganz unvorbereitet auf diesen Skandal gezeigt und behauptet, sie habe von alldem
nichts gewusst und sich in peinliche Ausreden verstrickt.
Zusammenfassend stellte Bures fest: "Österreich hat in den letzten Jahren sehr viel von seinem internationalen
Ansehen als verlässliches Mitglied der Staatengemeinschaft eingebüßt. Die SPÖ mit einem Außenminister
Wolfgang Petritsch könnte dieses Ansehen wieder herstellen."
|
|
|
|
Ferrero-Waldners Acht-Punkte-Programm zeigt Realitätsverweigerung
Lunacek sieht Fortsetzung des Außenpolitischen Stillstands
Wien (grüne) - "Außenministerin Ferrero-Waldner versucht mit ihrem heute vorgestellten
Acht-Punkte-Programm zu verschleiern, dass Österreichs Regierung in den letzten Jahren kaum eine nach außen
hin sichtbare Außenpolitik gemacht und vor allem durch Veto-Drohungen für Schlagzeilen gesorgt hat",
so Ulrike Lunacek, außenpolitische Sprecherin der Grünen, am Mittwoch (23. 10.).
"Österreich hat während der blau-schwarzen Koalition die meisten Partner Österreichs nachhaltig
verärgert und damit für Stillstand gesorgt."
"Es ist erstaunlich, wie die Außenministerin immer wieder versucht, eindeutige Misserfolge positiv darzustellen.
Die Regionale Partnerschaft als ‚von den Partnerländern begrüßte enge Zusammenarbeit’ zu loben,
obwohl sie von den betreffenden Staaten nur belächelt wurde und heute eine Art Karteileiche darstellt, hat
im besten Falle etwas humoristisches", so Lunacek weiter.
"Ganz plötzlich würde sich die ÖVP wieder gerne als Europa-Partei darstellen, nachdem sie zweieinhalb
Jahre lang tatenlos und wortlos zugesehen hat, wie ihr Koalitionspartner FPÖ europafeindlich agiert hat."
Für ebenso wenig ernstgemeint hält Lunacek die weiteren Pläne der Ministerin: "Die österreichische
Entwicklungspolitik ist unter Ferrero-Waldner ebenso ausgehungert worden wie die von ihr gelobte Kulturpolitik.
Die Unglaubwürdigkeit erreicht ihren Höhepunkt allerdings in der Forderung nach einer Tobin Tax, denn
weder war in den letzten Jahren diesbezüglich ein Engagement der ÖVP erkennbar, noch hat sie den von
den Grünen dazu eingebrachten Antrag im Hauptausschuss unterstützt. Die vermeintliche Forcierung dieser
Bereiche als Plan für die nächste ÖVP-Regierungsbeteiligung ist daher nicht ernst zu nehmen",
sagt Lunacek. |
Transit |
Reichhold: EUGH lehnt einstweiligen Rechtsschutz ab, Transitkampf geht weiter
Verständnis und Anerkennung für Österreichs Vorbringen ist zu wenig
Wien (bmvit) - Die Klage der Republik Österreich gegen die Europäische Kommission, weil sie trotz
Überschreitung der Anzahl der Transitfahrten im Jahr 2001 keine Kürzung der Ökopunkte für das
Jahr 2002 vorgenommen hatte, war verbunden mit einem Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz.
Wie der EUGH am Mittwoch (23. 10.) nachmittag mitteilte, wurde dieser Antrag gewiesen.
Das österreichische Anliegen werde laut EUGH im Einzelnen jedoch durchaus mit Verständnis und Anerkennung
bedacht
"Die Entscheidung des EUGH ist zur Kenntnis zu nehmen. Dass aber der transitgeplagten Bevölkerung unseres
Landes das Verständnis und die Anerkennung Europas in dieser Sache allein genügen wird, bezweifle ich",
zeigte sich Verkehrsminister Mathias Reichhold enttäuscht über die Entscheidung des Gerichtes "Selbst
wenn Österreich in zwei Jahren die Klage gewinnen würde, wären diese Ökopunkte doch verloren.
Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Kampf um eine österreichverträglich Übergangsregelung mit
aller Kraft weiterführen", so Reichhold.
Der EUGH kommt vor allem im Hinblick auf die faktisch endgültige Wirkung des einstweiligen Rechtsschutzes
zum Ergebnis, dass das österreichische Vorbringen zwar nicht gänzlich unbegründet erscheint, nach
einer ersten Prüfung jedoch nicht schwerer wiegt als die von der Kommission, Deutschland und Italien angeführten
Rechtfertigungen. Die von Österreich vorgebrachten Argumente wurden ausdrücklich anerkannt. In der Hauptfrage
über die Art der Berechnung der Transitfahrten hat sich der EUGH heute nicht geäußert.
|
|
|
|
Einem: Reichhold tritt bei EU-Erweiterung gegen Österreichs Interessen auf
Jeder vernünftig in Kandidatenländer investierte Euro hilft Österreich
Wien (sk) - "Infrastrukturminister Reichhold ist bei der Vorbereitung Österreichs auf die
EU-Erweiterung bisher alles schuldig geblieben", erklärte SPÖ-Europasprecher Caspar Einem am Mittwoch
(23. 10.) gegenüber dem SPÖ-Pressedienst.
Weder sei es ihm gelungen, eine Übergangslösung für den 2003 auslaufenden Transitvertrag zustande
zu bringen und damit die zunehmende Belastung für die Menschen durch den LKW-Transitverkehr zumindest zu begrenzen,
noch habe er dafür gesorgt, dass leistungsfähige Eisenbahnverbindungen mit den EU-Beitrittskandidaten
aus den österreichischen Nachbarländern zur Verfügung stehen, damit es weniger LKW-Transitfahrten
und damit eine Entlastung für die Bevölkerung gibt. Es sei daher nicht verwunderlich, so der SPÖ-Europasprecher,
"dass Reichhold gegen die Interessen der österreichischen Arbeitnehmer und der österreichischen
Wirtschaft auftritt".
"Jeder vernünftig in die Kandidatenländer investierte Euro hilft Österreich", betonte
Einem. Bei guter Wirtschaftsentwicklung in den österreichischen Nachbarländern sei mit weniger Einpendlern
auf dem österreichischen Arbeitsmarkt und mit mehr Exporten in die Nachbarländer zu rechnen. Hier gehe
es um die Interessen Österreichs, unterstrich der Europasprecher und fügte hinzu: "Investitionen
kosten Geld, aber nur Investitionen helfen Österreich".
|
|
|
|
Lichtenberger: EuGH-Entscheidung zum Transit unverständlich
Unglaubwürdige Transitpolitik von Schwarzblau rächt sich
Wien (grüne) - "Unverständlich" und "sachlich nicht begründbar"
ist für Eva Lichtenberger, Verkehrssprecherin der Grünen, die Ablehnung einer Einstweiligen Verfügung
in der Causa Ökopunkte am Mittwoch (23. 10.) durch den EuGH.
"Die Gegner einer menschen- und umweltfreundlichen Verkehrspolitik im Alpenraum verfolgen die Strategie des
Infragestellens der österreichischen Zählweise bei den Transitfahrten. Offenbar ist es ihnen trotz fehlender
Fakten gelungen, maßgebliche Akteure des EuGH damit zu überzeugen. Vom bloßen Verständnis
des EuGH für die Probleme an den Transitachsen wird dort die Luft aber nicht besser", so Lichtenberger.
Umso dringlicher sei nun das Schmieden internationaler Bündnisse für die Sensible Zone Alpen und eine
glaubwürdige Verkehrspolitik Österreichs im eigenen Einflußbereich. "Es ist allerhöchste
Zeit für die versprochenen innerstaatlichen Maßnahmen gegen den Transit. Jeder neue Fehlschlag auf europäischer
Ebene macht die gravierenden Versäumnisse der schwarzblauen Transitpolitik noch deutlicher", so Lichtenberger.
Die Betroffenen und die Grünen hätten keine Zeit mehr, noch länger auf ein LKW-Nachtfahrverbot und
sektorale Fahrverbote zu warten, wie sie Reichhold versprochen, aber nicht umgesetzt habe, so Lichtenberger.
|
Allgemeines |
Broukal: SPÖ will Innovationspotenziale nutzen, die von Regierung Schüssel vernachlässigt
wurden
Marterbauer: Kein Geld mehr für Qualifizierungsmaßnahmen von Arbeitslosen vorhanden
Wien (sk) - Große Versäumnisse in der Forschungs- und Innovationspolitik in den letzten
drei Jahren sehen die beiden SPÖ-Nationalratskandidaten Josef Broukal und Markus Marterbauer. In einer Pressekonferenz
am Mittwoch (23. 10.) kritisierten sie eine Stagnation der Forschungsausgaben bei 1,9
Prozent, sodass die Gefahr bestehe, dass Österreich bei Forschung und Entwicklung im europäischen Vergleich
weiter fallen wird.
Als eine wichtige Maßnahme zur Optimierung der Forschungspolitik schlägt Broukal die Bündelung
der Forschungsinstrumente des Staates in einem Ministerium vor. Derzeit seien vier Ministerien für die Forschung
zuständig. Marterbauer fordert eine Stärkung der Investitionstätigkeit durch die Stabilisierung
der Unternehmenserwartungen, durch steuerliche Investitionsförderung und durch die Bereitstellung öffentlicher
Infrastruktur.
Marterbauer kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Arbeitsmarktpolitik der schwarz-blauen Regierung. "Das
AMS verfügt heuer nicht über mehr Mittel als im vergangenen Jahr, obwohl die Arbeitslosigkeit wesentlich
höher ist. Im Winter ist mit einer Rekordarbeitslosigkeit zu rechnen. Es sind aber jetzt schon die letzten
Mittel des AMS ausgeräumt worden. Wir werden daher im ersten Halbjahr 2003 große Probleme haben, die
Qualifizierungsmaßnahmen zu finanzieren", so Marterbauern. Broukal unterstrich, dass "durch die
verstärkte Kooperation von Wissenschaft und Forschung einerseits und Wirtschaft andererseits Österreich
als Wirtschaftsstandort an Qualität und Wettbewerbsfähigkeit gewinnen soll". "Die SPÖ
will jene Innovationspotenziale nutzen, die von der Regierung Schüssel sträflich vernachlässigt
wurden."
Broukal sieht ein jährliche Steigerung der Forschungsausgaben um 0,15 Prozent des BIP für notwendig,
damit Österreich den internationalen Anschluss nicht verliert. "Das wird natürlich Geld kosten,
wir werden aber dieses Geld finden und verwenden." Dabei soll dort gefördert werden, wo am meisten Nutzeffekt
zu erwarten sei. Neben einer Bündelung der Forschungskompetenzen in ein Ministerium soll auch untersucht werden,
ob bei den Fonds noch alles zum besten steht. Einige Fonds wollen diese Auskunft selbst schon seit langem. Weiters
müsse es zu größeren Forschungseinrichtungen kommen. Das 6. Rahmenprogramm für Forschung und
technologische Entwicklung schafft transeuropäische Netzwerke - wenn Österreich hier sichtbar sein wolle,
brauche es sichtbare Forschungseinrichtungen - Zentren, in denen Spitzen-Wissenschafter um sich dreißig bis
vierzig Forscher sammeln.
Einen dramatischen Einbruch bei den Investitionen musste Marterbauer in seiner Funktion als Wirtschaftsforscher
feststellen. Die Gesamtinvestitionen sanken in Österreich in den letzten beiden Jahren um fünf Prozent
während es im EU-Durchschnitt nur minus 2,1 Prozent seien. Die schlechte Investitionsentwicklung in Österreich
sei daher nicht primär auf internationale Entwicklungen sondern auf hausgemachte Faktoren zuführen.
Diese Faktoren seien hohe Steuern, die Abschaffung des Investitionsfreibetrags und hohe Steuervorauszahlungen.
Beim Wachstum sei Österreich mit 1,6 Prozent für 2001/02 um einen Prozentpunkt unter dem EU-Durchschnitt
geblieben. Marterbauer fordert eine mittelfristig ausgerichtete Wirtschaftspolitik und eine antizyklische Budgetpolitik.
Durch die steuerliche Investitionsförderung würden wiederum die Unternehmen Anreize bekommen, Investitionen
vorzuziehen.
Gleichzeitig müssten die Investitionsstrukturen verbessert werden. Österreich weise im internationalen
Vergleich eine niedrige Kapitalproduktivität auf. Dies sei das Ergebnis zu starker Betonung der Investitionen
in "Hardware". Demgegenüber seien die Anteile der unter mittelfristiger Wachstumsperspektiven wichtigen
Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnologien sowie für Forschung und Entwicklung zu gering,
so Marterbauer.
Auf eine diesbezügliche Journalistenfrage antwortete Broukal, dass es angedacht sei, ein Ministerium für
Forschung und Entwicklung zu schaffen, falls die SPÖ wieder in einer Regierung vertreten sei. Geleitet müsse
dieses Ministerium von einer Person werden, der man zutraut, mit großem Elan und mit großer Kraft diesen
Job auszuüben, und die motivieren und moderieren kann. Wenn er selbst diese Person nicht sei, und ein anderer
übernimmt diese Position, so werde er diesen mit voller Kraft unterstützen.
Markus Marterbauer begründete abschließend seine Motivation, warum er für die SPÖ kandidiere,
damit, dass es enorme Versäumnisse in der Wirtschaftspolitik der letzten zweieinhalb Jahre gebe. "Ich
hoffe, dass ich etwas dazu beitragen kann, dies wieder zu verändern. Und ich traue Alfred Gusenbauer zu, genau
den richtigen Weg einzuschlagen, um dies zu erreichen."
|
|
|
|
Rauch-Kallat: Quereinsteiger noch nicht mit SPÖ-Realität vertraut?
Broukal argumentiert an Realität vorbei oder übernimmt ÖVP- Positionen -
Marterbauer als Parteipolitiker, nicht Experte
Wien (övp-pk) - "Quereinsteiger brauchen eben eine gewisse Zeit, bis sie sich mit der politischen
Realität in ihrer eigenen Partei vertraut gemacht haben", sagte ÖVP- Generalsekretärin Abg.z.NR
Maria Rauch-Kallat am Mittwoch (23. 10.) zu den Aussagen der SPÖ-Kandidaten Josef
Broukal und Markus Marterbauer, "die zum Teil an der Realität vorbei argumentiert und zum Teil ÖVP-Positionen
einfach übernommen haben".
Wenn Broukal etwa von einem deprimierenden Befund im Bereich Forschung spreche, müsse man ihn daran erinnern,
"dass die SPÖ jahrelang Maßnahmen zur Belebung des Forschungsstandortes Österreich verschlafen
hat, die dann von der Regierung Schüssel endlich gesetzt wurden".
So sei etwa die Einrichtung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung eine längst notwendige
Maßnahme gewesen, die auch von den Experten äußerst positiv gewürdigt werde. "Wie vorgesehen,
ist es auch gelungen, die Forschungsquote im Jahr 2002 auf rund zwei Prozent zu steigern." Österreich
halte nun bei umgerechnet rund 54 Milliarden Schilling Gesamtausgaben für Forschung, während es 1995,
zu Beginn der bisher letzten sozialistisch geführten Regierung, nur 36,87 Milliarden Schilling gewesen seien.
"Mit seinen 'konkreten Vorschlägen' zur Forschungspolitik formuliert Broukal Ziele, ohne dass er den
Weg zur Umsetzung aufzeigt, oder er übernimmt ganz einfach wesentliche Positionen der Volkspartei." So
sei etwa die geforderte Schaffung größerer Forschungseinrichtungen längst im Laufen, sagte Rauch-Kallat
und verwies beispielhaft auf das Großprojekt AUSTRON. Auch die Evaluierung der Tätigkeit der Forschungsfonds
FFF und FWF sei ÖVP- Position.
Broukal sage auch, er wolle "in kürzester Zeit Stellen für 2.000 bis 3.000 Forscher schaffen, aber
er sagt nicht dazu, wie das geschehen soll", so Rauch-Kallat. Die Bundesregierung dagegen biete diesbezüglich
konkrete Förderungsprogramme für junge Forscher an, wie zum Beispiel das START-Programm, den Wittgenstein-Preis
oder APART- und Schrödinger-Stipendien.
Die Aussagen des SPÖ-Kandidaten Markus Marterbauer müsse man nicht näher kommentieren, "denn
dieser hat bereits vor seinem Ausscheiden als sogenannter unabhängiger Wirtschaftsforscher gezeigt, dass er
bereit ist, aus parteipolitischem Interesse sachlich unrichtige Aussagen zu treffen", schloss die ÖVP-Generalsekretärin.
|
|
|
|